Antwort auf Beitrag 93702
Anonymität
Bargeld ist anonymer als Kartengeld. Transaktionen mit der Kredit-, Prepaid- oder Debitkarte werden von den Beteiligten Finanzfirmen registriert. Bei Smartphone-Zahlungen haben unter Umständen auch Internet-Riesen wie Google oder Apple noch die Finger im Spiel. Je nach Land kann auch der Staat auf die Daten zugreifen. Die Anonymität des Bargeldes ist denn auch ein Faktor, der viele Staaten stört.
Unabhängikeit von Banken
Das Geld auf dem Spar- oder Privatkonto ist nur eine Forderung gegenüber der Bank. Im Konkursfall der Bank kann es im schlimmsten Fall passieren, dass ihr zumindest einen Teil eures digitalen Geldes verliert. Zwar gibt es eine Einlagensicherung in der Schweiz. Doch diese ist auf CHF 100'000.- pro Bank und Kunde beschränkt. Zudem ist die Einlagensicherung gesamtschweizerisch auf lediglich rund 8 Milliarden Franken für alle Bankkunden beschränkt.
Bargeld hingegen könnt ihr in einem Bankschliessfach, einem Schliessfach eines bankenunabhängigen Anbieters oder aber zu Hause im Tresor aufbewahren.
Keine Negativzinsen
Negativzinsen sind in den letzten Jahren auch auf Privat- und Sparkonten erhoben worden. Inzwischen hat sich die Situation mit dem Anstieg des Zinsniveaus wieder entspannt. Je nach Entwicklung der Zinssituation ist es jedoch theoretisch möglich, dass in Zukunft auch die Einlagen von Kleinsparern von Negativzinsen betroffen sein könnten. Im Falle von flächendeckenden Negativzinsen wird befürchtet, dass viele Sparer/innen ihre Einlagen gleichzeitig als Bargeld abheben könnten. Diese Befürchtung wird von einigen Zentralbanken als Grund für die Abschaffung des Bargeldes angeführt. Allerdings könnten Staaten das Bargeld gegenüber digitalem Geld künstlich benachteiligen. In diesem Fall würde dieser Vorteil hinfällig.
Kein Online-Diebstahl
Mit der Digitalisierung nehmen auch die Missbräuche im Internet wie Cyberattacken zu. Immer wieder werden auch Schweizer Bank- und Kreditkarten-Konten Opfer von Betrügereien. Bargeld kann zwar physisch gestohlen werden, allerdings nicht virtuell.
Sparsames Konsumverhalten
Schuldenberater empfehlen, jeweils nur so viel Bargeld auf sich zu tragen, wie man unbedingt braucht. Bargeld kann so helfen, Impulskäufe zu vermeiden. Kreditkarten hingegen können dazu verleiten, über die eigenen Verhältnisse einzukaufen.
Geringe Gebühren für Händler
Kartennetzwerke wie Visa und Mastercard, Zahlungsdienstleister wie Wordline oder Kartenherausgeber verdienen an jeder Transaktion mit einer Kreditkarte oder Debitkarte mit. Das Geld kommt von den Händlern, die sogenannte Interchange Fees abliefern müssen. Diese Gebühren werden in unterschiedlichem Ausmass auf die Konsumentenpreise überwälzt. Bargeld ist zwar für Händler auch nicht kostenlos. Allerdings dürften zumindest für kleinere Geschäfte die Bargeldkosten geringer sein als die Interchange Fees.
Geld in Krisenzeiten
Banknoten und Münzen können auch dann verwendet werden, wenn technische Probleme, Cyberangriffe und Unterbrechungen der Stromversorgung oder der Telekommunikationsnetze andere Zahlungsmittel unbrauchbar machen. Viele Regierungen, darunter auch die Schweizer Regierung empfehlen einen Notvorrat an Bargeld zu Hause aufzubewahren, für den Fall, dass bargeldlose Zahlungsdienste, Banken und Geldautomaten ausfallen.